[Rezension] Mhairi McFarlane – Sowas kann auch nur mir passieren

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Wer kennt es nicht? Unausgesprochenes? Taten, die wir bereuen? Dinge, die wir nicht gesagt haben? Wie würden manche Beziehungen aussehen, wenn wir noch einmal entscheiden dürften, ob wir sprechen oder nicht? Wie viele Freundschaften wären nicht zerbrochen und Beziehungen anders verlaufen?

Georgina fragt sich dies auch, denn sie hat während ihrer Abschlussfeier etwas erlebt, dass sie noch niemandem erzählt und auch selbst kaum verarbeitet hat. Nach dieser Party ist ihre Jugendliebe beendet und ihre Wege trennen sich. Bis eines Tages Georgina ihren Kellerjob verliert und zusätzlich auch noch ihren Freund inflagranti im Bett mit seiner Assistentin findet. Zeit ihr Leben umzukrempeln, angefangen bei einem neuen Job. Das Kellnern im neuen Pub erscheint ihr fast zu perfekt: Der Chef ist nett, die Leute auszuhalten und sie wird gut bezahlt – doch wo ist der Haken? Den findet sie schneller als ihr lieb ist: Ihr zweiter Chef ist ihre ehemalige Jugendliebe und er wirkt nicht so, als würde er sie überhaupt wiedererkennen.

Was klingt wie eine profane Liebesgeschichte, die es so oder so schon mal gab, der liegt vielleicht nicht unbedingt weit daneben, doch einen Unterschied gibt es ganz gewiss: Mhairi McFarlane. Sie und ihr Schreibstil, sowie ihre Art und Weise Charaktere und Geschichte zu formen und kreieren lässt aus dieser Geschichte etwas ganz Besonderes werden. McFarlanes Bücher überzeugen vor allem auf Grund der Charaktere, denn im Beispiel von Sowas kann auch nur mir passieren ist Georgina einfach furchtbar normal. Sie ist nicht überstilisiert, sondern einfach das Mädchen von Nebenan. Und das macht die Bücher so gut, denn die Geschichten könnten mir, dir oder der Nachbarin passiert sein. Eine lebensnahe Geschichte mit einem bisschen Romanglitzer, aber keinesfalls zu viel.

Daher wie immer ein guter McFarlane, der einen das Buch mit einem leisen Seufzer schließen lässt. Und mag das Ende noch so kitschig sein, am Ende möchte man dringend noch ein paar Seiten zu lesen haben.