[Rezension] Samantha Downing – Meine wunderbare Frau

Eigentlich sind sie eine ganz normale Familie. Verheiratet, Haus, zwei Kinder – er Tennislehrer, sie Immobilienmaklerin. Die Kinder sind aus dem gröbsten heraus, eigentlich der Moment, wo man sich zu entspannen anfängt. Doch nicht bei Millicent und ihrem Ehemann. Sie haben ein ganz spezielles Hobby im Laufe der Zeit entwickelt.
Meine wunderbare Frau von Samantha Downing handelt von einem Ehepaar, dass in ihrer Freizeit Morde begeht. Was zunächst eine Kurzschlusshandlung und vor allem Notwehr war, entwickelt sich zu einer Leidenschaft, die Beide gleichermaßen teilten.
Das Buch setzt bei der Findung eines neuen Opfers ein. Raffiniert suchen die Beide nicht nur die perfekte Frau, sondern rufen einen alten Serienkiller zurück ins Leben, um von sich selbst abzulenken.

Was klingt wie ein ausgeklügelter Thriller, der mal aus einer anderen Perspektive geschrieben wird, ist am Ende aber viel mehr als das. Während man sich im Gefühl des völligen Wissens suhlt, nimmt im letzten Buch Downing eine so scharfe Rechtskurve, dass man als Leser nur verdutzt, aber völlig begeistert, durch die Seiten liest.
Downing schreibt wahnsinnig mitreißend, man ist sofort in der Geschichte drin und entwickelt sogar Sympathien für den Ehemann, obwohl er der Kopf des mörderischen Duos ist. Der Plot ist spannend, bietet genügend Irrungen und Wirrungen um den Leser ausreichend zu unterhalten, aber möglichst wenig zu verwirren. Das Ende ist aber noch mal das Sahnehäubchen, dass das Buch weitaus spannender macht und sich von ähnlichen Werken direkt abhebt.

Daher eine wahre Empfehlung, mit vielen Ausrufezeichen, weil es einer der besten Stand-Alones im Bereich Thriller 2019 ist. Spannende Stunden, Nervenkitzel pur und endlich mal wieder Überraschungen!

[Rezension] Andreas Gruber – Todesmal

Andreas Gruber ist – für mich ganz persönlich – der Lichtblick am deutschen Krimihimmel. Liegt ein Buch auf meinem Nachttisch und sein Name steht drauf, ist es immer ein Garant für gute Unterhaltung, spannende Geschichten und gut durchdachte Charaktere. Ist es dann auch noch ein Band aus der Sneijder-Reihe, dann sind die fünf Sterne eigentlich auch schon vorprogrammiert.

Streichen wir das eigentlich. Sie sind es. Genauso auch wieder in Todesmal, dem neusten Werk mit unserem Lieblingsermittler Maarten S. Sneijder. Diesmal holt eine geheimnisvolle Nonne, die ankündigt in den nächsten sieben Tagen sieben Morde zu begehen, Sneijder aus seiner Kündigung, denn sie explizit den niederländischen Ermittler sprechen. Noch während sie in Untersuchungshaft sitzt und man ihr zunächst wenig Glauben schenkt, sterben nach und nach – wie angekündigt – verschiedenste Personen. Für Sneijder und Nemez tun sich immer mehr Fragen auf? Wer ist die Nonne? Wenn sie hier sitzt, wer tötet dann? Und wie viele Personen stecken hinter dem Plan? Doch umso mehr Rätsel sie lösen, umso näher sie den Tätern kommen, umso mehr schaurige Tatsachen, vertuschte Grausamkeiten werden aufgedeckt und irgendwann verschwindet für alle Beteiligten die Grenze zwischen Gut und Böse.

Auch wenn es nicht anders zu erwarten war: Es war ein unglaublich gutes Buch mit einer spannenden und nicht vorhersehbaren Geschichte. Gruber zeigt wieder auf allen Ebenen was er kann, so dass beim Zuklappen des Buches schon die Sehnsucht nach dem nächsten Werk einsetzt. Richtig gute Storyline, aber auch die schon bekannten Charaktere kriegen genug Raum zur Weiterentwicklung. Ohne noch mehr zu erzählen: Lest es einfach und wenn ihr die Reihe noch nicht kennt: besorgt euch direkt alle fünf Bände!

 

5/5

[Rezension] Andreas Gruber – Code Genesis

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Andreas Gruber – Code Genesis. Sie werden dich finden 

Den Krimifans unter uns, sollte Andreas Gruber ein Begriff sein. Gerade seine Reihe um Maarten S. Sneijder ist eine wahre Empfehlung: spannend, gute Charaktere, super Story. Und nun? Nun liegt hier Code Genesis, das schon rein optisch mehr zu dem Jugendbuchroman „Die Bestimmung“ passt als zu Grubers bekanntem Terrain. Und das ist auch gut so, denn mit diesem Buch startet er in seine dreiteilige Reihe rund um Terry West und dem Vermächtnis ihrer Mutter. Mit dem Schreiben an dieser Geschichte erfüllt sich Gruber einen langgewordenen Traum: eine neue Zielgruppe und endlich mal einen Jugendroman ab 12 Jahre.

Und worum geht es genau? Die Mutter der jetzt vierzehnjährigen Terry ist vor zehn Jahren unter mysteriösen Umständen ums Leben gekommen und ihre Leiche konnte nie gefunden werden. Seither lebt der Teeanger auf dem U-Boot ihres Onkels, zusammen mit ihrem Cousin, einem Mitarbeiter und ihrem Fretchen. Als sie zufälligerweise einen Halt in Miami einlegen, stattet sie ihrem Elternhaus einen Besuch ab und entdeckt dabei nicht nur komische Nachmieter, sondern auch noch ein geheimes Labor in deren Keller, dass sich nur mit dem alten Amulett ihrer Mutter öffnen lässt. Danach geht alles ganz schnell: Auf einmal sind gefährliche Organisationen hinter ihnen her, gehen über Leichen und wollen an die Forschungsergebnisse ihrer Mutter heran? Doch an was hat sie eigentlich geforscht? Und was hat sie gefunden?

Gruber prognostiziert mit seinem Buch Action und Abenteuer – und er hält, was er verspricht.  Code Genesis ist ein angenehmes, spannendes neues Buch, das einen großartigen Auftakt zu einer neuen Reihe verspricht. Terry und die Crew des U-Boots Kopernikus sind ein sympathischer Haufen, die nicht nur einmal dem Feind gerade so entwischen, ohne es selbst wirklich zu merken.

Das einzige kleine Manko, das ich aber bei jedem Auftakt einer Reihe habe, ist, dass man das Buch leider nicht ohne die anderen Teile lesen kann. Natürlich ist es der Sinn einer Reihe aneinander geknüpfte Bücher zu schreiben, doch es wäre schön, wenn sich wenigstens innerhalb des Buches eine Geschichte schließen würde. Das ist bei Code Genesis leider nicht der Fall – am Ende sind viele neue Fragen offen, aber die Spannung auf die nächsten Teile steigt dafür gleichzeitig auch mit.

[Rezension] Harlan Coben – Suche mich nicht

 

Was würde man nicht alles für seine Kinder tun? Schon in alltäglichen Lebenslagen werden Eltern zu Superhelden. Aber was, wenn das eigene Kind auf die schiefe Bahn gerät und dann auch noch verschwindet?

Das macht Simon durch als seine Tochter Paige von einem auf den anderen Tag verschwindet und auch nicht gefunden werden will. Natürlich macht er sich trotzdem auf die Suche und findet seine Tochter unter Drogen im Central Park. Als sie ihn erkennt, flüchtet sie. Doch als Vater will und kann er nicht aufgeben und macht sich auf den Weg in die Drogenwelt, um den Weg zu seiner Tochter zu finden. Dabei stellt er sich ihrem Freund, Dealern und kommt auf einmal in das Visier der Polizei.

Suche mich nicht ist ein spannender, fesselnder neuer Thriller von Harlan Coben und hält das, was der Autorenname schon verspricht. Unterhaltung vom Anfang bis zum Ende. Die drogensüchtige Tochter, die verschwindet, der Vater, der sie zu retten versucht – damit hat Coben nicht das Rad neu erfunden – lässt aber durch seinen einfachen, aber dennoch angenehmen Schreibstil den Leser direkt in die Geschichte einsteigen. Leider bleiben Simon, seine Frau sowie die anderen Hauptcharaktere weitestgehend sehr schemenhaft und blass. Ein bisschen Tiefe hätten der Geschichte noch mehr Schwung und auch Bindung gegeben.

Stellenweise sind einige Passage ebenso schemenhaft wie die Charaktere und wirken wie kleine Füllepisoden, in denen Coben die Kreativität ausgegangen ist und er Punkt a und b schnell und einfach lösen möchte. Trotz allem ist Simons Geschichte um Paiges Suche gespickt mit vielen kleinen Wendungen, die kaum absehbar sind und daher das Buch spannend und lesenswert machen.

Daher: Ein packender Thriller mit kleinen Schönheitsfehlern, die ihn aber nicht an Spannung einbüßen lassen.

 

 

 

[Rezension] Kathrin Schrocke – Immer kommt mir das Leben dazwischen

Karl ist das durchschnittliche Kind zweier extremst begabter Akademiker. Karl ist aber gerade mal 13 und hat weder sich selbst noch seinen Platz im Leben gefunden. Als ihm seit toter Opa im Traum begegnet und ihm rät eine Youtube-Karriere zu starten als auch seiner Oma zu helfen, ist er begeistert und macht sich so gleich an die Arbeit.

Mit „Immer kommt mir das Leben dazwischen“ hat Katrin Schrocke einen witzigen Jugendroman für zwischendurch geschrieben. Karl ist ein angenehmer, wenn auch etwas blasser Charakter, der durch sein junges Alter teils gewollt teils ungewollt komisch rüberkommt und von seinem Leben mit hochbegabten Eltern, Liebesproblemen und einer pubertären Identitätskrise. Das Buch ist mit seinen 192 Seiten fix gelesen und passt perfekt an einen Sommerabend. Leider ist das auch eins der größten Probleme des Romans. Das Buch ist so fix gelesen, dass man zu Karl oder den anderen Figuren kaum eine Beziehung eingehen kann. Die Geschichte rund um die Oma, die ausziehen will und die Youtube-Karriere sind so mager, dass es kaum wahrnehmbare Entwicklungen gibt, die nicht vorhersehbar waren.

Natürlich ist „Immer kommt mir das Leben dazwischen“ ein Jugendbuchroman ab 12 Jahre, so dass man sicherlich nicht vom neuen Kafka ausgehen kann. Doch trotzdem hätte ein bisschen Tiefgang, ein bisschen mehr Witz, ein bisschen mehr von allem dem Buch gut getan.

Nichtsdestotrotz ist Immer kommt mir das Leben dazwischen witzig, humorvoll und dadurch perfekt für zwischendurch. Schnell gelesen, kleine Schmunzler und eine Oma zum Liebhaben.

[Rezension] Anne Freytag – Mein Leben basiert auf einer wahren Geschichte

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Es gibt so Bücher, da möchte man die Sätze unterstreichen, die Wörter in die Welt schreien und immer wieder nickend von den Seiten aufschauen. So auch bei ‚Mein Leben basiert auf einer wahren Geschichte‘ von Anne Freytag. Es geht um Rosa und auch um Frank, die beide aus ihrer Welt flüchteten, ans andere Ende reisten und durch Australien reisen wollten. Warum? Um sich selbst zu finden, um seinen Platz zu finden, vielleicht auch um zu lernen und sich selbst und die anderen zu verstehen. Doch direkt am Anfang – als aus dem Fern- das Heimweh wird – treffen sie aufeinander und verspüren eine direkte Verbindung.

Was klingt wie eine kitschige Liebesgeschichte, ist aber viel mehr der Beginn einer gemeinsamen Reise. Durch Australien, zu sich, zueinander. Doch, was so einfach und unkompliziert begann, wird auf die Probe gestellt, als noch ein Dritter auf das noch so neue Duo trifft. Franks bester Freund David schließt sich Frank und Rosa an. Aus Alleinsein wird Zusammensein und vor allem zu dritt sein. Denn ist drei nicht immer einer zu viel? Oder sind drei genau richtig?

Es könnte einer dieser Jugendromane sein, in denen ein Mädchen sich in einen Jungen verliebt und dann noch ein zweiter, ganz gegensätzlicher Charakter aufkommt und die so zarte frisch entstehende Beziehung ins Wanken bringt. Könnte es – ist es aber nicht. Mein Leben basiert auf einer wahren Geschichte ist vielmehr eine Geschichte über drei Menschen, die ans Ende der Welt reisen und zu sich selbst finden. Keine schnulzigen Liebesmomente, keine Floskeln. Einfach nur ergreifende Wahrheiten, menschliche Entscheidungen und verwirrende Fragen, die sich wohl jeder schon einmal gestellt hat.

Anne Freytag zeigt gekonnt, aus allen drei Perspektiven, wie sich diese Reise zu dritt entwickelt. Wie es sich entwickelt, wenn Gefühle ins Spiel kommen und wenn eigentlich keiner weiß, was er will. Wie soll man ein Jahr in einem Camper nebeneinander liegen, wenn die Gefühle und die Reize da sind, aber keiner den andere verletzen will. Während sie das dem Leser näherbringt, überschreitet sie jedoch keinen Moment die Grenze zu kitschig oder drüber, sondern einfach nur die Schilderung zu dem, was am Ende passiert, was am Ende – wie es der Epilog sagt – einfach so vorher gesehen war.

Ein wirklich wunderbares Buch, was meine Reiselust wieder geweckt hat, mich stellenweise so sehr berührt hat und mir das Gefühl gegeben hat, dass es eben Gefühle gibt, die man nicht zwangsläufig immer erklären kann und auch muss.

[Rezension] Kevin Kwan – Crazy Rich Asians

 

Man nehme eine Prise Gossip Girl, lösche die Upper East Side und füge Singapurs High Society hin – et voilá, da haben wir Crazy Rich Asians, Kevin Kwans neusten Roman.

 

Worum es geht? Um Rachel, die endlich die Familie ihres Freundes Nick kennen lernen darf. Beste Gelegenheit? Der eh anstehende Familienbesuch in Singapur. Doch schon kurz nach der Ankunft wird klar, dass Nick nicht bloß wohlhabend, sondern reicher als reich ist. Er und seine Familie gehören zu der obersten Schicht und bleiben – vor allem – gerne unter sich. Auf einmal befindet sie sich zwischen privaten Flugzeugen, Bediensteten und richtigen Stars.

Was wie ein schöner Traum klingt, wird bald schon zum Gegenteil. Denn Nicks Familie lassen Rachel schnell spüren, was sie von ihr, ihrer Herkunft und ihrer Beziehung zum Familienerbnachfolger halten. Was jetzt wie ein langwieriger Roman über die Höhen und Tiefen von Nicks und Rachels Beziehung klingt, ist aber viel mehr eine gute Satire Kwans über das unfassbar reiche Asien mit ihren nur allzu gegenwärtigen Problematiken: der wahnsinnige Konsum, aber auch der Fokus auf Blutlinien, Verwandschaftsgrade, sobald es um die Ehe geht. Denn Nick, mit blauem, singapurischem Blut bringt seine amerikanische, chinesische Freundin Rachel mit nach Singapur. Alsbald ist seine Familie beunruhigt, dass sie nur hinter dem Geld der Familie her ist. Warum sie das denken? Nicht, weil Rachel den Anschein danach macht, sondern weil sie aus dem Festland Chinas kommt und alleinerziehend groß gezogen wurde. Kwan verdeutlicht damit – auf eine fast lustige Weise – dass dieses alte Denken immer noch vorherrscht. Dass gerade die jungen Generationen wie Nick, aber auch seine Cousine Astrid, zwischen den Kulturen festhängen. Versuchen sie es doch irgendwie der ehrwürdigen Großmutter traditionell recht zu machen, kennen und leben sie aber auch die Vorzüge des modernen Lebens.

Crazy Rich Asians ist daher witzig, smart und einfach zu lesen, obwohl der Einstieg sicherlich hart ist. Es sind viele Namen, viele Geschichte und wenige davon werden wirklich vorgestellt. Dafür hat Kevin Kwan jedoch auf den ersten Seiten den Familienstammbaum verzeichnet, wonach man nach den ersten hundert Seiten dankbar sein wird. Zwar gibt es hier und da kleine Ungereimtheiten, jedoch ist Crazy Rich Asians eine wahnsinnig nette Unterhaltung, die sich von den vielen, vielen Büchern ausnahmsweise mal unterscheidet und sei es nur am Schauort. Wer also einen spannenden und zeitgleich gossiplastigen Roman lesen mag, der wird mit Kevin Kwans Roman gut fahren.

xoxo.