[Rezension] Maja Lunde – Die Letzten Ihrer Art

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Maja Lunde. Ein Name, der allen mittlerweile bekannt sein dürfte. Von ihr stammen die Bücher Die Geschichte der Bienen und Die Geschichte des Wassers und nun liegt hier Die Letzten Ihrer Art, ihr neuster Roman. Titel und Layout unterscheiden sich erstmalig von dem gewohnten Stil der ersten beiden Romane, aber inhaltlich orientiert sich Lunde ganz wie gewohnt an Altbewährtem.

Die norwegische Autorin erzählt vom Ende der Welt. Wir befinden uns im Jahr 2064 und die Klimakrise ist so akut wie noch nie. Ein Leben wie wir es kennen, das gibt es nicht mehr. Die Menschen sind verdurstet, Staaten sind aufgehoben und die Protagonisten – drei Frauen und ein männliches Baby – geben ihren Hof auf, um Nomaden zu werden. Alles für die Suche nach Essen und Trinken, nach Verwertbaren und Nährstoffen. Der Klimawandel hat zugeschlagen und zwar im riesigen Ausmaße.

…und irgendwie ist Lundes Roman ein bisschen wie ein heimliches Beobachten, ein stilles Vorpieken in die Zukunft, die uns blühen kann, wenn wir alles rund um den Klimawandel weiterhin ignorieren. Doch andererseits ist es eben auch überdramatisiert, eben das womit Lunde gerne spielt. Wir gehen zurück zum Ausgangspunkt – alles steht auf null. Die Menschheit hat versagt und die Natur beginnt von vorn. Keine Elektrizität, wenig Nahrung – der Resetknopf wurde gedrückt.

Und irgendwie ist genauso der dritte Roman: Eine Mischung aus angeregtem, interessiertem Voyeurismus und einer leichten Überdramatisierung, die das Lesen an einigen Stellen stagnieren lässt. Vielleicht ist es aber auch das übergreifende Thema: Wildpferde. Ich war nie das Pferdemädchen und konnte vielleicht deswegen nur schwerlich in den Roman einsteigen. Aber, was mich noch so an Der Geschichte der Bienen und des Wassers begeistert hat, fühlte sich im dritten Roman fast beschwerlich an. Fand ich in den ersten Büchern noch die ausführlichen Erzählungen spannend und gerechtfertigt, fühlten sich viele Stellen in Die Letzten Ihrer Art zu zäh und zu viel an.

Lunde kann immer noch gut schreiben und auch die Geschichte, mit den Erzählsträngen in der Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft, war gut durchdacht, doch vielleicht waren einfach die Erwartungen stellenweise zu hoch. Immer noch ein gutes Buch, das mich leider doch am Ende nicht so bekommen hat, wie ich es aus den Werken davor noch kannte.

 

[Rezension] Stephen Chbosky – Der unsichtbare Freund

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Nach Vielleicht lieber morgen, DEM Roman meiner Jugend, steht endlich wieder ein Chbosky in den Buchhandlungen und nichts wirklich nichts hätte mich davon abhalten können diesen sofort zu lesen.

Doch diesmal geht es nicht um Teenagerprobleme, sondern um die einer ganz anderen Art. In Der unsichtbare Freund geht um Christopher, unterdurchschnittlich begabt und ein Außenseiter, was an den vielen Umzügen liegen könnte. Erst das kleine Dorf Mill Grov regt zum Bleiben an und der 7-Jährige Christopher kann endlich Freunde finden und seine Mutter die Angst vor ihrem Exfreund besiegen. Mill Grov ist winzig, es gibt nur zwei Straßen und ringsherum nur Wald, der Missionswald. Doch was so idyllisch wirkte, verändert sich schon sehr schnell. Auf einmal hört Christopher Stimmen, seine Legasthenie verschwindet und auf großes Glück folgt großes Leid. Da sind auf einmal Fantasiewelten, Freunde, die vor 50 Jahren lebten und die Mission die ganze Welt zu retten…

Was wir alle erwartet haben? Wahrscheinlich einen neuen Charlie, obwohl der Klappentext schon einen großen Genre- und Plotwechsel vermuten lässt. Was wir stattdessen kriegen? Einen Roman, der wirkt als hätte Chbosky sich Hilfe bei Stephen King geholt.
Chbosky weiß immer noch sehr gut zu schreiben und seinen Leser zu fesseln. Doch die Fans – wie ich – die mit Erinnerungen an sein früheres Werk in die Buchhandlungen stürmten, werden womöglich nach 200 Seiten die Welt nicht mehr verstehen. Es ist düster, es ist beklemmend und das ganzen 912 Seiten lang und das macht es schwer, das Buch zu bewerten.

Es ist eben sehr, sehr anders. Auf seine Weise schon irgendwie spannend, denn man lechzt sehr schnell nach einer (rationalen) Erklärung und auch nach Hoffnung für Christopher und ganz Mill Grove. Andererseits ist es aber vor allem sehr lang und zieht sich. Christophers Traum- und Fantasiephasen sind stellenweise unerträglich und hätten – gerade bei 912 Seiten – wirklich eingekürzt werden müssen, da sie keinesfalls zum Vorankommen der Geschichte zu tragen. Denn auch wenn die Menge der Seiten auf eine Menge an Inhalt schließen lässt, ist das keineswegs so. In manchen Kapiteln verliert man den Durchblick und verliert den Überblick der Charaktere, auch, ob es nun es die Realität oder Traumwelt ist.

Natürlich tue ich Chbosky stellenweise etwas unrecht, weil mir die Neutralität fehlt. Hätte ich das Buch ohne das Wissen des Autors gelesen – ich hätte mein Hand für Stephen King ins Feuer gelegt. Das spricht sicherlich für Chbosky als Autor im Genre Horror, aber nicht für den Autor, den man vielleicht erwartet hat. Natürlich war mir durchaus bewusst, dass  es anders werden wird, aber der Grat zwischen „Akzeptiere die Liebe, die du verdienst“ und „Ich hetze dunkle Wesen auf einen 7-Jährigen“ ist enorm und macht es schwer für mich. Horrorgeschichten sind mir nicht fremd, eben King und del Toro stehen noch einige Autoren in meinen Regalen. Trotzdem wäre es mir schwer gefallen, das Buch in seiner vollen Länge zu Ende zu lesen und zu mögen, wenn ich nicht den Autorenbonus gegeben hätte.

Am Ende ist es doch zu lang, zu schwer und zu skurril. Hätte nicht Chbosky drauf gestanden, hätte ich es womöglich abgebrochen. 300 Seiten weniger hätten dem Buch richtig, richtig gut getan. So, so schade – so drauf gefreut.

[Rezension] Samantha Downing – Meine wunderbare Frau

Eigentlich sind sie eine ganz normale Familie. Verheiratet, Haus, zwei Kinder – er Tennislehrer, sie Immobilienmaklerin. Die Kinder sind aus dem gröbsten heraus, eigentlich der Moment, wo man sich zu entspannen anfängt. Doch nicht bei Millicent und ihrem Ehemann. Sie haben ein ganz spezielles Hobby im Laufe der Zeit entwickelt.
Meine wunderbare Frau von Samantha Downing handelt von einem Ehepaar, dass in ihrer Freizeit Morde begeht. Was zunächst eine Kurzschlusshandlung und vor allem Notwehr war, entwickelt sich zu einer Leidenschaft, die Beide gleichermaßen teilten.
Das Buch setzt bei der Findung eines neuen Opfers ein. Raffiniert suchen die Beide nicht nur die perfekte Frau, sondern rufen einen alten Serienkiller zurück ins Leben, um von sich selbst abzulenken.

Was klingt wie ein ausgeklügelter Thriller, der mal aus einer anderen Perspektive geschrieben wird, ist am Ende aber viel mehr als das. Während man sich im Gefühl des völligen Wissens suhlt, nimmt im letzten Buch Downing eine so scharfe Rechtskurve, dass man als Leser nur verdutzt, aber völlig begeistert, durch die Seiten liest.
Downing schreibt wahnsinnig mitreißend, man ist sofort in der Geschichte drin und entwickelt sogar Sympathien für den Ehemann, obwohl er der Kopf des mörderischen Duos ist. Der Plot ist spannend, bietet genügend Irrungen und Wirrungen um den Leser ausreichend zu unterhalten, aber möglichst wenig zu verwirren. Das Ende ist aber noch mal das Sahnehäubchen, dass das Buch weitaus spannender macht und sich von ähnlichen Werken direkt abhebt.

Daher eine wahre Empfehlung, mit vielen Ausrufezeichen, weil es einer der besten Stand-Alones im Bereich Thriller 2019 ist. Spannende Stunden, Nervenkitzel pur und endlich mal wieder Überraschungen!

[Rezension] Andreas Gruber – Todesmal

Andreas Gruber ist – für mich ganz persönlich – der Lichtblick am deutschen Krimihimmel. Liegt ein Buch auf meinem Nachttisch und sein Name steht drauf, ist es immer ein Garant für gute Unterhaltung, spannende Geschichten und gut durchdachte Charaktere. Ist es dann auch noch ein Band aus der Sneijder-Reihe, dann sind die fünf Sterne eigentlich auch schon vorprogrammiert.

Streichen wir das eigentlich. Sie sind es. Genauso auch wieder in Todesmal, dem neusten Werk mit unserem Lieblingsermittler Maarten S. Sneijder. Diesmal holt eine geheimnisvolle Nonne, die ankündigt in den nächsten sieben Tagen sieben Morde zu begehen, Sneijder aus seiner Kündigung, denn sie explizit den niederländischen Ermittler sprechen. Noch während sie in Untersuchungshaft sitzt und man ihr zunächst wenig Glauben schenkt, sterben nach und nach – wie angekündigt – verschiedenste Personen. Für Sneijder und Nemez tun sich immer mehr Fragen auf? Wer ist die Nonne? Wenn sie hier sitzt, wer tötet dann? Und wie viele Personen stecken hinter dem Plan? Doch umso mehr Rätsel sie lösen, umso näher sie den Tätern kommen, umso mehr schaurige Tatsachen, vertuschte Grausamkeiten werden aufgedeckt und irgendwann verschwindet für alle Beteiligten die Grenze zwischen Gut und Böse.

Auch wenn es nicht anders zu erwarten war: Es war ein unglaublich gutes Buch mit einer spannenden und nicht vorhersehbaren Geschichte. Gruber zeigt wieder auf allen Ebenen was er kann, so dass beim Zuklappen des Buches schon die Sehnsucht nach dem nächsten Werk einsetzt. Richtig gute Storyline, aber auch die schon bekannten Charaktere kriegen genug Raum zur Weiterentwicklung. Ohne noch mehr zu erzählen: Lest es einfach und wenn ihr die Reihe noch nicht kennt: besorgt euch direkt alle fünf Bände!

 

5/5

[Rezension] Andreas Gruber – Code Genesis

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Andreas Gruber – Code Genesis. Sie werden dich finden 

Den Krimifans unter uns, sollte Andreas Gruber ein Begriff sein. Gerade seine Reihe um Maarten S. Sneijder ist eine wahre Empfehlung: spannend, gute Charaktere, super Story. Und nun? Nun liegt hier Code Genesis, das schon rein optisch mehr zu dem Jugendbuchroman „Die Bestimmung“ passt als zu Grubers bekanntem Terrain. Und das ist auch gut so, denn mit diesem Buch startet er in seine dreiteilige Reihe rund um Terry West und dem Vermächtnis ihrer Mutter. Mit dem Schreiben an dieser Geschichte erfüllt sich Gruber einen langgewordenen Traum: eine neue Zielgruppe und endlich mal einen Jugendroman ab 12 Jahre.

Und worum geht es genau? Die Mutter der jetzt vierzehnjährigen Terry ist vor zehn Jahren unter mysteriösen Umständen ums Leben gekommen und ihre Leiche konnte nie gefunden werden. Seither lebt der Teeanger auf dem U-Boot ihres Onkels, zusammen mit ihrem Cousin, einem Mitarbeiter und ihrem Fretchen. Als sie zufälligerweise einen Halt in Miami einlegen, stattet sie ihrem Elternhaus einen Besuch ab und entdeckt dabei nicht nur komische Nachmieter, sondern auch noch ein geheimes Labor in deren Keller, dass sich nur mit dem alten Amulett ihrer Mutter öffnen lässt. Danach geht alles ganz schnell: Auf einmal sind gefährliche Organisationen hinter ihnen her, gehen über Leichen und wollen an die Forschungsergebnisse ihrer Mutter heran? Doch an was hat sie eigentlich geforscht? Und was hat sie gefunden?

Gruber prognostiziert mit seinem Buch Action und Abenteuer – und er hält, was er verspricht.  Code Genesis ist ein angenehmes, spannendes neues Buch, das einen großartigen Auftakt zu einer neuen Reihe verspricht. Terry und die Crew des U-Boots Kopernikus sind ein sympathischer Haufen, die nicht nur einmal dem Feind gerade so entwischen, ohne es selbst wirklich zu merken.

Das einzige kleine Manko, das ich aber bei jedem Auftakt einer Reihe habe, ist, dass man das Buch leider nicht ohne die anderen Teile lesen kann. Natürlich ist es der Sinn einer Reihe aneinander geknüpfte Bücher zu schreiben, doch es wäre schön, wenn sich wenigstens innerhalb des Buches eine Geschichte schließen würde. Das ist bei Code Genesis leider nicht der Fall – am Ende sind viele neue Fragen offen, aber die Spannung auf die nächsten Teile steigt dafür gleichzeitig auch mit.

[Rezension] Harlan Coben – Suche mich nicht

 

Was würde man nicht alles für seine Kinder tun? Schon in alltäglichen Lebenslagen werden Eltern zu Superhelden. Aber was, wenn das eigene Kind auf die schiefe Bahn gerät und dann auch noch verschwindet?

Das macht Simon durch als seine Tochter Paige von einem auf den anderen Tag verschwindet und auch nicht gefunden werden will. Natürlich macht er sich trotzdem auf die Suche und findet seine Tochter unter Drogen im Central Park. Als sie ihn erkennt, flüchtet sie. Doch als Vater will und kann er nicht aufgeben und macht sich auf den Weg in die Drogenwelt, um den Weg zu seiner Tochter zu finden. Dabei stellt er sich ihrem Freund, Dealern und kommt auf einmal in das Visier der Polizei.

Suche mich nicht ist ein spannender, fesselnder neuer Thriller von Harlan Coben und hält das, was der Autorenname schon verspricht. Unterhaltung vom Anfang bis zum Ende. Die drogensüchtige Tochter, die verschwindet, der Vater, der sie zu retten versucht – damit hat Coben nicht das Rad neu erfunden – lässt aber durch seinen einfachen, aber dennoch angenehmen Schreibstil den Leser direkt in die Geschichte einsteigen. Leider bleiben Simon, seine Frau sowie die anderen Hauptcharaktere weitestgehend sehr schemenhaft und blass. Ein bisschen Tiefe hätten der Geschichte noch mehr Schwung und auch Bindung gegeben.

Stellenweise sind einige Passage ebenso schemenhaft wie die Charaktere und wirken wie kleine Füllepisoden, in denen Coben die Kreativität ausgegangen ist und er Punkt a und b schnell und einfach lösen möchte. Trotz allem ist Simons Geschichte um Paiges Suche gespickt mit vielen kleinen Wendungen, die kaum absehbar sind und daher das Buch spannend und lesenswert machen.

Daher: Ein packender Thriller mit kleinen Schönheitsfehlern, die ihn aber nicht an Spannung einbüßen lassen.

 

 

 

[Rezension] Kathrin Schrocke – Immer kommt mir das Leben dazwischen

Karl ist das durchschnittliche Kind zweier extremst begabter Akademiker. Karl ist aber gerade mal 13 und hat weder sich selbst noch seinen Platz im Leben gefunden. Als ihm seit toter Opa im Traum begegnet und ihm rät eine Youtube-Karriere zu starten als auch seiner Oma zu helfen, ist er begeistert und macht sich so gleich an die Arbeit.

Mit „Immer kommt mir das Leben dazwischen“ hat Katrin Schrocke einen witzigen Jugendroman für zwischendurch geschrieben. Karl ist ein angenehmer, wenn auch etwas blasser Charakter, der durch sein junges Alter teils gewollt teils ungewollt komisch rüberkommt und von seinem Leben mit hochbegabten Eltern, Liebesproblemen und einer pubertären Identitätskrise. Das Buch ist mit seinen 192 Seiten fix gelesen und passt perfekt an einen Sommerabend. Leider ist das auch eins der größten Probleme des Romans. Das Buch ist so fix gelesen, dass man zu Karl oder den anderen Figuren kaum eine Beziehung eingehen kann. Die Geschichte rund um die Oma, die ausziehen will und die Youtube-Karriere sind so mager, dass es kaum wahrnehmbare Entwicklungen gibt, die nicht vorhersehbar waren.

Natürlich ist „Immer kommt mir das Leben dazwischen“ ein Jugendbuchroman ab 12 Jahre, so dass man sicherlich nicht vom neuen Kafka ausgehen kann. Doch trotzdem hätte ein bisschen Tiefgang, ein bisschen mehr Witz, ein bisschen mehr von allem dem Buch gut getan.

Nichtsdestotrotz ist Immer kommt mir das Leben dazwischen witzig, humorvoll und dadurch perfekt für zwischendurch. Schnell gelesen, kleine Schmunzler und eine Oma zum Liebhaben.